"a-squared
HiJackFree ist ein detailliertes System Analyse Tool, das erfahrenen Anwendern
dabei hilft, jegliche Arten von HiJackern, Spyware, Adware, Trojanern und Würmern zu erkennen und manuell zu
beseitigen." So steht es auf der Produkt-Homepage zu lesen. Aber wie
funktioniert das Ganze nun konkret? Dieses Tutorial
erläutert anhand einiger Beispiele, wie ein Malware Spezialist an die Sache
herangehen würde um einen Computer manuell auf Malware Befall zu untersuchen.
Inhalt:
1. Grundwissen über Malware
1.1. Verdächtige Prozesse herausfiltern
1.2. Identifizierte Malware entfernen
2. TCP/UDP Ports
3. Autostarts
4. Windows Dienste
5. Sonstiges
5.1. Explorer Addons
5.2. LSP Protokolle
5.3. Hosts Datei
5.4. ActiveX Module
6. Fazit
1. Grundwissen über
Malware
Heutige Malware, wie Trojaner oder Spyware, läuft
üblicherweise immer als eigenständiger Prozess. Davon ausgenommen sind
lediglich klassische Viren, die sich an andere Programme anhängen um ausgeführt
zu werden. Wir beschränken uns hier jedoch auf die Erkennung von eigenständiger
Malware. Das Wissen um Prozesse hilft Ihnen schon mal insofern, dass Sie nur
den jeweiligen Malware Prozess finden müssen, um ihn zu beenden und die Malware
dadurch unschädlich zu machen.
1.1. Verdächtige
Prozesse herausfiltern
Bevor Sie irgendetwas abschießen oder gar löschen, müssen Sie
sicher gehen, dass es sich nicht um gutartige notwendige Software handelt. Dazu
müssen Sie jeden einzelnen Prozess durchgehen und im Detail analysieren.
Folgende Fragen sind dabei zu klären:
- Woher stammt das Programm?
- Wer ist der Hersteller des Programms?
- Öffnet das Programm einen TCP oder UDP Port um Befehle von
außen aufzufangen?
- Wurde das Programm über einen Autostart-Eintrag
automatisch gestartet?
- Läuft das Programm als Windows Dienst?
Da auf einem durchschnittlichen PC in der Regel um die 50
Prozesse aktiv sind, kann es schnell zu einer mühseligen Arbeit ausarten, wenn
man alle diese Fragen mit den Windows hauseigenen
Hilfsmitteln klären will. Hier kommt a-squared HiJackFree ins Spiel. Der
Vorteil von HiJackFree liegt darin, dass eben genau diese für die Malware
Bestimmung relevanten Fragen wesentlich schneller geklärt werden können.
Und so funktioniert es:
Sie sehen also, HiJackFree kann Ihnen nicht konkret sagen,
ob ein Prozess Malware ist oder nicht, aber es kann Ihnen eine große
Hilfestellung sein, wenn es um das Herausfiltern von sämtlichen
System-Prozessen geht. Fokussieren Sie sich in erster Linie auf die gelben,
roten und weißen Zeilen, dann sparen Sie bereits eine Menge Zeit. Wichtig ist
jedoch, dass Sie nie blind auf die Färbung eines Eintrages vertrauen sollten!
1.2. Identifizierte
Malware entfernen
Haben Sie einen Prozess eindeutig
als schädlich identifiziert, geht es an die Reinigung des Computers:
2. TCP/UDP Ports
TCP bzw. UDP Ports sind Datenkanäle, über die ein Programm
Steuerbefehle aus dem Web empfangen kann. Beispiele für alltägliche
Einsatzgebiete von TCP Ports sind Webserver (Port 80), FTP (Port 21), SMTP
(Port 25) oder POP3 (Port 110). Aber auch Backdoor-Trojaner
öffnen Ports, damit der PC von außen fernsteuerbar wird. Die Portnummern können
dabei beliebig gewählt werden, jedoch kann ein Port immer nur von einem
Programm besetzt werden.
Der Abschnitt Ports in HiJackFree zeigt Ihnen alle offenen
Ports auf Ihrem PC und die dazugehörigen Prozesse. Gehen Sie am besten, genauso
wie bei der Prozess-Liste, alle Einträge durch und überprüfen Sie die
verwendeten Ports. Unter Umständen hat sich ein Prozess durch einen geschickt
gewählten Namen so gut getarnt, dass er Ihnen nicht aufgefallen ist. In der
Portliste kann er sich jedoch nicht verstecken. Offene Ports sind nicht
grundlegend böse. Überprüfen Sie, ob die Prozesse auch einen plausiblen Grund
haben, Ports zu öffnen. Ein vermeintliches Textverarbeitungsprogramm öffnet zum
Beispiel üblicherweise keine Ports.
3. Autostarts
In dieser Sektion von a-squared HiJackFree sehen Sie alle
Autostart-Einträge auf Ihrem System, über die verschiedene Programme beim
Systemstart automatisch gestartet werden. Neben den Standard Autostart Orten in
der Registry gibt es noch eine Menge weniger gut
dokumentierter Orte im System, über die sich Programme automatisch ausführen
lassen. HiJackFree zeigt Ihnen 30 verschiedene Orte von Autostarts. Vor allem
in der Sektion "Trickreiche Autoruns"
sollten Sie jedoch vorsichtig sein und unbedingt einen Spezialisten
konsultieren oder Detail Informationen im Web einholen, bevor Sie hier
irgendetwas löschen - das System könnte ansonsten sehr schnell unbrauchbar
gemacht werden.
Die wichtigsten Autoruns finden
Sie in der Sektion "Registry", wo es zwei Unterkategorien gibt:
Autostarts, die systemweit aktiv sind und für alle Benutzerkonten gelten (HKLM)
und solchen, die nur für das angemeldete Benutzerkonto eingetragen sind (HKCU).
Um zu testen, welche Auswirkung ein Autostart Eintrag hat, können Sie ihn hier
deaktivieren. Ein deaktivierter Eintrag kann später einfach wieder
eingeschaltet werden. Ein komplettes Löschen ist nicht erforderlich.
Über den Button "Online Informationen
aktualisieren" wird die Autostart-Liste ebenso wie bei der Prozessliste
mit einer Online-Datenbank verglichen und eingefärbt, um die Identifikation
eines Malware Autostarts zu erleichtern.
Überprüfen Sie hier auch immer, ob Sie auch wirklich alle
gelisteten Programme ständig benötigen. Beachten Sie, dass jedes ständig im
Hintergrund aktive Programm unnötig Systemressourcen verwendet und die Leistung
des Computers drosselt. Löschen Sie aber bitte nicht die Autostart-Einträge für
Ihre Sicherheitssoftware. Der PC wäre ohne diese nach einem System-Neustart
ungeschützt.
Tipp: Mit einem Doppelklick auf einen Eintrag im
Verzeichnisbaum (z.B. Run), wird der Registrierungs-Editor geöffnet und Sie
können direkt auf die Registry zugreifen.
4. Windows Dienste
Der Abschnitt "Dienste" ähnelt dem Dienste-Manager von Windows sehr. Jedoch mit dem
Unterschied, dass Sie in HiJackFree auch gleich den vollen Pfad zu den Diensten
auf einen Blick sehen und eine Menge zusätzlicher Informationen im Details-Fenster erhalten.
Im Wesentlichen unterscheidet sich die Dienste Liste wenig
von der Prozessliste. Es ist sozusagen ein Filter auf die als Dienste im System
registrierten Programme, zeigt jedoch auch derzeit gestoppte Dienste sowie
versteckte Treiber (.SYS) an, die Sie sonst nicht zu sehen bekommen. Dienste
werden von Windows beim Systemstart geladen, noch bevor ein Benutzer angemeldet
ist. Eine als Dienst eingetragene Malware würde daher schon aktiv werden, bevor
Sie als Benutzer auf dem PC irgendetwas machen können.
5. Sonstiges
Im Abschnitt "Sonstiges" sind einige nützliche
Tools zur Malware Beseitigung bereitgestellt:
5.1. Explorer Addons
5.2. LSP Protokolle
LSP steht für Layered Service
Provider und bezeichnet eine Art Netzwerktreiber, die zwischen Programmen und
Netzwerkkarte geschalten werden können. Adware nutzt
solche Module um Werbung in den Empfangs-Datenstrom des Browsers einzufügen. Es
gibt aber auch gutartige Anwendungsgebiete, wie z.B. Anti-Spam
Programme, die Spam Emails direkt aus den empfangenen
Daten aus dem Internet herausfiltern.
Seien Sie beim Löschen von LSPs
immer sehr vorsichtig! Wenn eine LSP DLL Datei gelöscht wird, ohne den
entsprechenden Eintrag in der LSP Liste zu entfernen, funktioniert der
Internetzugang höchstwahrscheinlich nicht mehr! Daher ist es notwendig, LSPs immer sauber zu entfernen - a-squared HiJackFree hilft
Ihnen dabei.
5.3. Hosts Datei
Ebenso wie die zuvor beschriebenen Abschnitte lässt sich
auch die Hosts Datei für gute, wie auch für böse Absichten verwenden. Mit der
Hosts Datei ist es möglich, bestimmte Hostnamen unabhängig vom DNS auf eine
bestimmte IP Adresse zu legen.
Kurzer Abstecher in die Welt des Domain Name Systems (DNS):
Wenn Sie z.B. im Browser die Adresse www.emsisoft.com eingeben, wird zuerst Ihr
nächstgelegener DNS Server gefragt, auf welcher IP Adresse diese Web-Adresse
(Domain) liegt. Der wiederum gibt dem Browser dann als Antwort: 80.237.191.14.
Der Browser verbindet sich fortan mit dieser IP (unserem Webserver) und erhält
die angeforderten Homepage Daten.
Mit der Hosts Datei können Sie nun den DNS Server übergehen.
Fügen Sie z.B. folgende Zeile ein:
127.0.0.1 www.emsisoft.com
Dann öffnen Sie Ihren Browser und geben www.emsisoft.com
ein. Sie werden statt zum a-squared Webserver, auf Ihren eigenen PC umgeleitet
(127.0.0.1 ist immer der eigene PC).
Spyware nutzt diesen Trick zum Beispiel, um die Web Adresse
Ihrer Bank auf einen Hacker Server umzuleiten, wo eine Kopie der Online Banking Anwendung liegt. Sie merken kaum einen Unterschied,
sobald Sie jedoch Ihre PIN Nummer eingeben, loggen Sie sich nicht bei Ihrer
Bank ein, sondern auf einem Server eines Angreifers, der Ihr Konto abräumen
will.
Diese Technik hat aber auch eine nützliche Seite. So können
Sie z.B. die Adressen von diversen Werbenetzwerken auf Ihre lokalen IP
umleiten, um Werbung auf Webseiten zu unterbinden. Fertige Hosts Dateien für
diesen Zweck gibt es z.B. bei MVPS.org. Web-Entwickler nutzen die Hosts Datei
auch für Test-Zwecke während des Programmierens.
5.4. ActiveX Module
Anders als beim Abschnitt für die Browser ActiveX Module,
sehen Sie hier alle systemweit registrierten ActiveX DLLs.
Solche DLLs sind Programm-Module, die für andere
Programme öffentlich zur Verfügung gestellt werden. Wenn Sie z.B. in MS Word
eine MS Excel Tabelle einfügen, wird ein solches ActiveX Modul für die
programmübergreifende Kommunikation verwendet.
HiJackFree färbt alle ActiveX Einträge in der Registry rot,
die nicht mehr aktiv sind. Nicht aktiv bedeutet, dass in der Registry
Informationen zu einem Modul vorhanden sind, für das keine DLL Datei mehr
existiert. Solche Einträge können in der Regel problemlos gelöscht werden.
6. Fazit
a-squared HiJackFree ist ein mächtiges Werkzeug, aber
definitiv nichts für Anfänger. Anders als ein Malware-Scanner kann es Ihnen
nicht sagen, ob ein Programm definitiv Malware ist oder nicht. Es kann Ihnen
aber dabei helfen, versteckte Malware aufzudecken und restlos zu entfernen.
Dieses Tutorial zeigt, wie vielseitig
und kreativ Malware-Programmierer Ihr System knacken wollen. Seien Sie sich
darüber im Klaren, dass jedes der hier beschriebenen Themen nur die Spitze des
Eisbergs an Verwendungsmöglichkeiten aufzeigt. Man könnte mehrere Bücher füllen,
wollte man alles bis ins letzte Detail erklären.
Viel Erfolg bei der Malware Suche!